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Iran zum Dritten

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Iran zum Dritten

Die Zeit vom 2. – 25. November 2019 verbrachte ich zum dritten Mal im Iran. Zum zweiten Aufenthalt gibt es (noch) keine Berichte, trotzdem möchte ich diesen kürzeren Aufenthalt gerne mit dir teilen. Dieses Mal ging ich hauptsächlich in den Iran, um meine Freunde zu besuchen. Denn ich wusste nicht, ob ich nach der Einreise in Saudi Arabien Ende November nochmal in den Iran reisen kann. Vorgängig wollte ich das auch nicht abklären, um sie nicht noch darauf aufmerksam zu machen. Mein eVisa wurde, aus welchen Gründen auch immer, abgelehnt, was mich schon etwas erstaunte. Peyman aus Shiraz hatte mir super geholfen und das eVisum inkl. Versicherung für 30 Euro besorgt. Melde dich gerne, falls du seinen Kontakt möchtest. Er macht das zack-zack und gerne.

Das war das komplette Gegenteil der Schweizer. Ich hätte über eine TravelAgency gehen müssen. Alles einsenden, zur Polizei um Fingerabdrücke zu bekommen und das alles hätte viel mehr Zeit und über CHF 200.- gekostet. Da waren Peyman und die Visakosten von 75 Euro am Flughafen in Tehran günstiger und die viel entspanntere Option.

Ich kam am 2. November in der Nacht in Tehran an und fühlte mich gleich wie zu Hause. Einige Worte Farsi kann ich, Snapp (das iranische Uber) war installiert und nach dem Geldwechseln wurde meine Sim-Karte aufgeladen. Beim Geldwechsel habe ich eine kleine süsse Frau aus Macau getroffen. Sie war komplett überfordert mit den Millionen, die sie erhalten hatte. Ich half ihr zu zählen, gab ihr einige Tipps und machte wohl den Eindruck, als ob ich im Iran lebte. Ehrlich gesagt fühlte es sich echt etwas an wie nach Hause kommen.

Raus aus dem Flughafen hiess es „Miss! Taxi?“. „Na mersi.“ Super, wenn man nicht auf die teuren Taxis reinfallen muss und weiss wie es läuft. Ich wollte ein Snapp bestellen und ein Mann fragte, wie teuer es sei. Ich sagte 500’000 Rial und er meinte er fahre mich, er sei auch ein Snapp-Fahrer. Ein anderer Iraner meinte, dass sei alles ok und ich könne mit ihm mit. Der Fahrer zeigte mir einen Zettel und meinte „Airport. Ok“. Ich sah, dass es sich dabei um einen Zettel vom Mehrabad Airport handelte und wies ihn darauf hin, dass wir hier am Imam Khomeini Airport seien. Wir fuhren los und beim Hostel wollte er mehr Geld als abgemacht. Wirklich verstanden hatten wir uns aber nicht und als ich im Hostel nach einer Übersetzungshilfe fragen wollte, verschwand er. Er wusste also genau, dass er bescheissen wollte. Und ich weiss, dass die Iraner normalerweise nicht so sind.

Um 6 Uhr hatte ich eingecheckt und konnte schlafen. Endlich.

Teheran

Die ersten 10 Tage verbrachte ich in Teheran und traf hauptsächlich Freunde und stand im Stau. Pünktlich in Teheran ist unmöglich, sobald man nicht nur mit der Metro unterwegs ist. Wohnen durfte ich bei einer Freundin und ihrer Mutter (75). Die ersten 2 Nächte verbrachte ich im Hostel, damit ich nicht mitten in der Nacht bei ihnen ankam. Danach war Family-Life angesagt.

Family Life I

Meine Freundin musste tagsüber arbeiten. 2 mal die Woche gingen wir ins Pilates und einige Male Essen und trafen ihre Freunde. Seit 3 Monaten war ihre Mutter zu Hause pflegebedürftig und hatte eine Pflegehilfe für die Zeit, in der meine Freundin arbeiten musste.

Die ersten zwei Tage waren etwas harzig. Beide verstanden nicht so recht, dass ich kein Farsi spreche. Irgendwann erklärte ich mit GoogleTranslate, dass es recht schwierig sei für mich, weil ich ja nicht einmal die Buchstaben lesen könne. Das leuchtete ihr dann ein und wir kommunizierten mit meinen limitierten Farsi-Kenntnissen und GoogleTranslate. Anfänglich bedankte sie sich immer beim Telefon und hatte später ihrer Tochter erzählt, dass da immer jemand sei und übersetze. So süss! 🙂

Wir konnten also eine gute Beziehung aufbauen. So gut, dass sie anderen von mir erzählte, das vegane Fondue probierte und genüsslich ass und meine Freundin immer wieder baff war. „Ich weiss nicht was du gemacht hast, aber dass du eine Beziehung mit meiner Mutter aufbauen konntest und sie sogar veganes Fondue probiert… ich weiss nicht was ich sagen soll. Sie probiert NIE etwas Neues! Danke dir! Sie mag dich wirklich.“ Da sieht man doch wieder einmal, dass Menschlichkeit keine Grenzen kennt!

Debitkarte

Der Iran ist aktuell von krassen Sanktionen betroffen. Sanktionen, die vor allem die Menschen betreffen. Auferlegt von den USA und unterstützt von Europa und anderen Ländern. Das ist der Grund, warum Iran vom internationalen Zahlungsverkehr ausgeschlossen ist und keine internationale Kredit- und Bankkarten verwendet werden können. Für Ausländer bedeutet das, dass Euro oder Dollar mitgebracht und gewechselt werden muss. Das ist nicht weiter ein Problem, denn der Iran ist sicher und somit auch das Bargeld. Da jedoch mittlerweile 120’000 Rials ungefähr 1 USD entsprechen, müssen entsprechend viele Noten mit sich getragen werden.

Daher hat DaricPay eine praktische Lösung für Touristen: eine DebitCard. Am Bankomat muss eine Pin2 festgelegt werden und danach kann die Karte sogar für online Käufe oder die Sim-Karte aufzuladen verwendet werden.

Echt praktisch! Ich traf einen Freund und er postete unser Foto auf Instagram. Sein Freund, der CEO von DaricPay sah das Foto und so kam eins zum anderen und ich hatte schon 1 Tag später eine Debit Card.

Der Service war top. Sie waren immer online und beantworteten Fragen. Zudem können Kontostand, Käufe und Überweisungen online eingesehen  und vorgenommen werden.

Sicherheit und Vertrauen

Im Iran funktioniert einkaufen und bezahlen mit der Karte so, dass die Karte und der PIN dem Verkäufer gegeben werden. Das finde ich recht cool, denn bei uns werden PINs teilweise übertrieben verdeckt, wegen Missbrauch. Hier siehst du an einem alltäglichen Beispiel, wie sicher es ist. Mehr und mehr werden die Geräte jedoch ausgetauscht, so dass der Kunde den PIN selber eingeben muss. Ich denke jedoch, dass das nichts mit der Sicherheit bzw. Missbräuchen zu tun hat.

Ich fand es cool etwas zu kaufen, die Karte zu geben und do, noh, schisch, schisch (Zahlen) sagen zu können 🙂

Neue Cafés und Restaurants

Jedes mal entdecke ich neue Cafés und Restaurants. Nebst meinen üblichen vegetarischen und veganen Optionen, die ich bereits hier erwähnte, fand ich zum Beispiel das V Café, Café Lamiz (super leckere vegane Dattel-Küchlein) oder die Empfehlung einer Freundin, das Greenland (vegetarisches Restaurant). Ich hatte mich durch die Cafés und Restaurants in Teheran probiert, denn da gab es wieder einiges mehr! Wenn die Stadt etwas kleiner und die Luft nicht so verschmutzt wäre, könnte ich da auch mal länger leben.

Sieht lecker aus, gell?

Jomeh Parvaneh Bazaar

Jeden Freitag (iranischer Sonntag) findet der grosse Bazaar statt. Da findet man alles. Er ist in einem Parkhaus auf vier Ebenen verteilt. Ein Stand am anderen. Unten eher chaotisch und gegen oben mehr geordnet. Zeit mitzubringen ist von Vorteil. Fast Food Verpflegung gibt es beim Ausgang.

Esfahan

Nach den 10 Tagen fuhr ich nach Esfahan und schlief da 2 Nächte im Hostel Sarv. Vor 2 Jahren gab es noch kein Hostel auf Hostelworld und heute kann man aussuchen. Sarv öffnete erst im Oktober 2019 und ist echt schön. Eine Mischung aus iranischem Stil und modernem Hostel.

Es ging weiter mit Freunden treffen in der zweiten iranischen „Heimatstadt“. Denn bisher verbrachte ich von allen meinen Aufenthalten in Esfahan am meisten Zeit.

Kaffee

Diesmal hatte ich einen neuen Kaffee-Trink-Ort gefunden. Es war diesmal kalt, aber nicht so eisig kalt wie letztes Jahr und ich konnte eher draussen sein. 4 Gardens (Chahrbagh) ist eine Fussgängerzone mit diversen Ländern und 5 Kaffee Trucks. Mein Lieblingscafé war das „Van Cafe“. Mit dem Besitzer hatte ich immer tolle Gespräche und es wurde mein Lieblingscafé.

Natürlich durften auch Besuche und Spaziergänge beim Nahgshe Jahan Square und im Bazar nicht fehlen. Das ist wirklich ein schöner Ort. Die Menschen in Esfahan sind eher religiös und traditionell im Vergleich zu Teheran, das merke ich auch bei meinen Freunden. Trotzdem sind alle immer sehr freundlich und die Kinder süss, wenn sie mich sehen. Einige trauten sich “hellooooo” zu sagen, andere weniger und wenn sie in der Gruppe waren, konnte es richtig laut werden mit den vielen “hello’s”. Wenn ich mit “Salam, khubi?” antworte, was “hallo, wie gehts?” heisst, kam es regelmässig zu sehr verwirrten Blicken 🙂

Ahwaz

Nach 2 Tagen fuhr ich nach Ahwaz (im Westen des Irans), weitere Freunde besuchen. Um 8 Uhr morgens wurde ich beim Busterminal von einem Freund abgeholt und ich wohne, wie immer, bei ihm und seiner Familie und er überliess mir sein Bett. Ich sei das Familienmitglied, das sie einmal im Jahr besuchen komme.

Es war Donnerstag der 21. November 2019. Am Nachmittag/Abend treffen wir Freunde, gingen etwas trinken und danach Falafel essen. Das ist da echt cool, da man alles selber macht. Man nimmt ein Brot, füllt es mit (vielen) Falafeln und gibt Salat und Pickels dazu, je nach Belieben. Sehr lecker und die Falafel sind auch nicht so fettig wie sonst oft. Nach dem Essen öffnete der eine Instagram und sah, dass da, wo wir vorher etwas trinken waren, Menschen die Strasse blockierten und protestierten. Dies, weil der Benzinpreis von der Regierung in der Nacht zuvor von 10’000 auf 30’000 Rial erhöht wurde. Zwischendurch funktionierte auch das Internet nicht mehr, was bei Protesten üblich sei Die Regierung stelle dann einfach das Internet ab. Nun gut, wir hatten trotzdem einen schönen Abend und ich hatte mir nichts weiter dabei gedacht.

Proteste und “Fake”-News

Die Proteste hatten sich im Land schnell verbreitet und das Internet wurde komplett abgeschaltet. Die einzige Möglichkeit uns zu informieren waren TV-Sender aus dem Ausland. Diese zeigten laufend Bilder und Videos und spielte Sprachnachrichten von Menschen und wir hatten den Eindruck, dass der ganze Iran protestierte und in Flammen stand. Als am zweiten und dritten Tag immer noch Bilder und Videos gezeigt wurden, wurde ich etwas misstrauisch. Denn wie konnten die Bilder aus dem Iran nach England gelangen ohne Internet?

Es hiess in Ahwaz an einem Tag, dass die Strassen um Ahwaz blockiert sind und Busunternehmen teilten meinem Freund mit, dass Busse wegen den Strassenblockaden weder nach Esfahan noch nach Bushehr, wo ich eigentlich hin wollte, fahren konnten. Es war also einiges los, wo, wie stark und wie lange, wussten wir jedoch nicht.

Lazy und zu fürsorglich

Ich sass also 5 Tage in einer Stadt fest, die ich nicht zu meinen Lieblingsstädten zähle. Die Menschen sind sehr nett, aber eher etwas lazy und zu fürsorglich für meinen Geschmack. Zu Hause wurde gesessen, genau so wie im Auto, im Restaurant und im Café. Wenig Gemüse und keine Bewegung. Genau das Gegenteil von meinen Bedürfnissen. Überall war es anscheinend gefährlich und wenn ich fragte was denn gefährlich sei, erhielt ich meistens keine Antwort.

Am dritten Tag fing es an zu regnen und es hatte fast in der ganzen Hauptstrasse eine Überschwemmung. Ich musste mich bewegen und ging trotzdem raus mit meinen Adiletten (die perfekten Regenschuhe), der Regenjacke und hochgekrempelten Hosen. Juhuuuuui! Es war ein Spass und tat gut. Und am Ende merkte ich noch, dass die Regenjacke nicht so wirklich dicht war. Naja, wieder was gelernt.

Family Life II

Die Tage bestanden aus viel Familie. Alle kamen vorbei und es war meistens fullhouse. Einmal machten wir auch hier ein veganes Fondue. Den einen schmeckte es, den anderen weniger. Hier stellte ich auch einen grossen Unterschied zu den Teheranis fest. In Ahwaz wurde gegessen, so schnell wie möglich und damit man voll war. Von Genuss war meistens keine Spur.

Mein Freund arbeitet in einem Hotel und ich besuchte ihn zwei Mal. Eigentlich wollte ich lernen. Da war aber die süsse 7 jährige Venus. Sie sprach farsi und arabisch und ein paar Worte englisch. Wegen den Protesten war die Primarschule geschlossen und sie musste den Tag im Hotel verbringen, weil ihre Mutter da arbeitete. Sie war so süss und wollte immer spielen. Die Kleine wusste sofort wie sie GoogleTranslate verwenden konnte (am 2. Tag der Proteste, als das Internet im Hotel noch funktionierte) und wir konnten uns unterhalten. So süss.

Als auch das „Hotel-Internet“ weg war, war es schwieriger, da sie nicht schreiben konnte mit dem iPhone. Ich war also beschäftigt und mit lernen wurde nicht wirklich viel. Zudem konnte ich auch die Videos dazu nicht schauen, denn das alles war ja online.

Zurück nach Tehran und Esfahan

Nach 5 Tagen hatte sich die Lage etwas beruhigt. Mein Plan mit Bushehr (Strand) und Trips um Shiraz musste ich auf das nächste Mal verschieben. Ich nahm den Nachtzug nach Tehran, schlief 2 Nächte da, traf wieder Freunde und fuhr dann wieder nach Esfahan. Dort durfte ich bei einer Freundin und ihrer Familie wohnen und war zwei Tage beschäftigt mit Mittags- und Kaffee-Terminen. Es war so schön alle wieder zu treffen. Und diesmal sah ich auch die Si-o-Se Pol Brücke mit Wasser. Wunderschön!

 

Shiraz

Am 24. November kam ich am Abend ich in Shiraz an und übernachtete im Nyayesh Hotel in einem Dorm. Ein schönes altes Gebäude und sehr zentral. Zum Abendessen traf ich Peyman (der mir das Visum besorgte) und seine Frau in einem italienischen Restaurant (BenCotto).

Am letzten Tag wollte ich nochmal zur Pinken Moschee, weil die echt schön ist. Danach ass ich Mirza Ghassemi, ein iranisches Gericht, trank einen Kaffee und lief zum veganen Café. Ich hatte angerufen und gefragt, ob das Café offen sei. Sie meinte ja, ab 2 Uhr. Also war ich um 2 Uhr da und sah gerade, wie sie schliesst. Wir waren beide erstaunt, haben uns aber irgendwie verstanden. Sie machte das Café wieder auf, machte mir ein Sandwich und rief jemanden an. Einen Freund der vegan isst und englisch sprach. Diesen traf ich dann spontan noch auf einen Kaffee im Bookland und wir hatten einen netten Austausch.

Danach war es Zeit, zum Flughafen zu fahren und die Reise in das unbekannte Land, Saudi Arabien, anzutreten. Khoda Hafez Iran und hoffentlich bis bald!


Anmerkung zum Schluss

Etwas möchte ich noch anmerken. Im 2017 reiste ich das erste Mal in den Iran und habe ausführlich darüber berichtet (z.B. hier). Heute würde ich nicht mehr alles genau so unterschreiben, da ich viel mehr sah und das Land und die Menschen besser kennenlernen durfte. Trotzdem lasse ich die Berichte wie sie sind, denn das war damals meine Erfahrung und Empfindung.

Es ist eine Diktatur und einiges läuft in meinen Augen nicht so optimal. Trotzdem treffe ich immer wieder Menschen, die ein ähnliches Leben leben wie wir in Zürich. Menschen die Leben, reisen und “frei” sind. Die letzten 40 Jahre haben klar Spuren hinterlassen bei den Menschen. Trotzdem ist es wie überall: Die Veränderung muss bei einem selbst im Kopf und im Herzen beginnen. Immer nur von Aussen fordern funktioniert nie. Leider machte ich die Erfahrung, dass viele Iraner in der Geschichte stecken, einer Zeit, in der sie nicht gelebt haben, die sie sich aber wünschen. Das ist in meinen Augen schwierig.

Die Menschen sind oft auch nur zu Touristen nett, weil die die mögen oder gerne europäische Freunde haben. Wenn ich mit meinen iranischen Freunden unterwegs war, stellte ich oft fest, dass vor allem Frauen sehr rüppelhaft, egoistisch und “bitchy” anderen Frauen gegenüber sind. Viel Eifersucht und wenig Selbstvertrauen sind wohl oft Auslöser dafür. Sehr schade, aber verständlich, wenn man das Leben, die Kultur, Tradition und Regeln mal etwas mehr erlebt als nur auf die üblichen Reise-Art.

Nichts desto trotz: der Iran ist ein wunderschönes, sicheres und sehr abwechslungsreiches Land, das du auf jeden Fall besuchen solltest!

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